Wiedereinsteiger - Unsicherheit beim Fahren ???

  • Hallo liebe Rollergemeinde.


    Ich habe mich neu angemeldet, heiße Dieter, bin über 60 und seit meinem 25. Lj. nicht mehr Zweirad gefahren.

    Seit 2 Monaten fahre ich einen Suzuki Sixteen 125, den ich kommende Woche gegen einen Forza 300 aus 2020 auswechsele.


    Auch auf die Gefahr hin, dass ich ausgelacht werde, bitte ich um Ratschläge, denn ich bin mit dem 125er ziemlich unsicher auf der Autobahn, wenn ich höhere Geschwindigkeiten (so ab 90 Km/h) fahren muss.


    Ich habe durch den bei 90 Km/h stärkeren Wind das Gefühl, der Roller ist nicht mehr stabil, obwohl er technisch in Ordnung ist und neue Reifen hat.

    Wenn ich ehrlich bin, habe ich sogar leichte Angst, insbesondere wenn die LKW überholen (dann merke ich den Sog) oder wenn sie mir im Nacken sitzen und dicht auffahren.


    Ich traue mich zur Zeit noch nicht, den Roller über die 90 Km/h zu fahren - zumindest nicht den kleinen 125er.

    Daher habe ich mir den Forza 300 geholt (kriege ich nächste Woche) , einmal weil er schneller ist und dann weil ich denke, dass er stabiler läuft und weniger windanfällig reagiert.


    Kommt die Sicherheit mit der Zeit?

    Danke für ein paar Ratschläge.


    Beste Grüße aus dem Saarland

    Dieter

  • Hallo.

    Die anfängliche leichte Unsicherheit nach längerer Pause ist normal und nach jeder Winterpause sollte man sich erstmal wieder vorsichtig rantasten. Viele Unfälle passieren im Frühjahr, wenn sich viele wieder aufs Krad setzen und mache ihre Fahrkünste überschätzen.

    Die Unsicherheit mit 90 Km/h auf der Autobahn zu fahren fahren solltest Du ernst nehmen. Wenn Du von den LKW Fahrern überhaupt wahrgenommen wirst, sieht man Dich aus der Perspektive nach dem Überholmanöver erst beim einscheren…

    Und selbst wenn Du alleine auf der rechten Spur unterwegs bist sind die Luftverwirbelungen die ein Auto mit möglicherweise doppelter Geschwindigkeit hinter sich herzieht nicht zu unterschätzen. Da geraten auch geübte Fahrer mal ins Schlingern. Egal mit welchem Fahrzeug.

    Ich würde davon abraten überhaupt Autobahn zu fahren. Nicht nur aus Sicherheitsgründen sondern auch weil man sich auf Dauer die Reifen eckig fährt.
    Ansonsten: viel üben hilft viel. Ein Fahrsicherheitstraining ist bestimmt auch hilfreich. Die Trainer dort wissen meistens genau was geht.

    Gruß, x eleven

  • Hallo Dieter :welcome: on Board und viel Spaß hier.

    Da du etwas ängstlich bist vermute ich, dass du die zu sehr fest hältst.

    Der Lenker ist keine Festhaltestange! :wink1:

    Hintergrund:

    Je nachdem mit welchen Klamotten du fährst, bietest du dem Wind mehr oder weniger Angriffsfläche. Wenn du den Lenker locker hältst, dann bist du vom Roller entkoppelt... hältst du den Lenker fest, dannn überträgt du über die Arme die Schwingungen von der Jacke bis auf den Roller... schon wird das ganze unruhig und du unsicher...

    Probiere mal aus :wink1:


    Viele Grüße Micha aus der Pfalz

    Der nächste Woche wieder 2 Tag Kurventraining fährt.


    Ein Sicherheitstraining ist auch immer zu empfehlen:)-

    Mitglied 221 im Bol d'or Club e.V.
    Turtle-Hilfe
    "Monty Burns" made by Terpi :)

  • .. danke für die schnelle und ausführliche Antwort.

    Dann bin ich ja einigermaßen beruhigt, dass es anderen eventuell auch so geht.

    Leider lässt sich die Autobahn nicht ganz vermeiden, aber du hast Recht, wann immer es geht, fahre ich Landstraße.

    Meine Angst ist sicherlich unbegründet, denn andere Mopeds fahren ja auch schneller als 90 und fallen nicht mal gerade so vom Gerät, nur weil der Wind bei 90 stärker ist als darunter. ;)

    Gruß

    Dieter

  • Hallo Micha,

    danke für Deine Erklärungen, klingt logisch.

    Du hast Recht, ich halte den Lenker ziemlich fest.

    Also werde ich versuchen, den Lenker locker zu halten.

    Nochmals danke + beste Grüße

    Dieter

  • Kleiner leistungsschwacher Roller auf der rechten Spur zwischen LKW's.
    Ja, da kann man schon Angst bekommen, wenn Erfahrung fehlt.
    Ob der Forza gewissermaßen einen eingebauten Angsthemmer hat?



    Die wichtigen Dinge wurden hier dazu schon gesagt.


    Bei einem Fahrsicherheitstraining kann man unter kontrollierten Bedingungen lehren, wie stabil ein Zweirad läuft - ohne das der Fahrer an den Zügeln reißt.
    Und das andere "Biker" nicht anders sind. :D


    Gesendet von meinem moto g(7) power mit Tapatalk

    Man muss nicht immer schreiben, was man denkt.
    Man muss es aber auch nicht immer für sich behalten. :D
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  • Afrikaans

    Genau so ist es - eingeklemmt zwischen zwei LKW und noch eine Nummer schlimmer: ein dritter überholt gerade. Dann hast du auf drei Seiten LKW. :mad:

    Der Forza hat vielleicht einen eingebauten Angsthemmer, weil er schneller ist und auch einmal einen LKW überholen kann. Das kann der kleine Suzuki nicht.

    Zudem stelle ich mir vor, dass er schonmal aufgrund seiner 40 Kg mehr Gewicht auch spurstabiler und windunempfindlicher laufen könnte. Nächste Woche werde ich es erleben.

    Danke für die Erläuterungen + viele Grüße

    Dieter

  • Hallo Dieter, herzlich willkommen.

    Je mehr und je länger du fährst, um so sicherer wirst du.

    Wenn du mit dem 300ter auf der Bahn bist, brauchst du auch keine Sorgen mehr wegen der LKW‘s haben, dann gibts du etwas mehr Gas und schon hast du einen größeren Abstand.

    Auch ist der größere Roller stabiler beim Fahren.

    Und das Wichtigste, wie schon vorher geschrieben, immer schön locker bleiben. Das ist zwar schneller gesagt als getan, aber das kommt je länger du fährst.

    Nicht den Mut verlieren.

    Gruß
    Norbert


    Ob der Tacho richtig geht, weißt du wenn das Licht angeht. :007:

  • Ergänzend die Fragestellung, ob es nur an Dir liegt. Diese Autobahnerlebnisse oder die Unruhe des Fahrwerks hatte ich auch an meinem 286 kg schweren Tourer - allerdings bei 100km/h Tacho mehr als in Deiner Schilderung. Aber ob 80 oder 180km/h, jedes Fahrwerk verwindet sich ab irgend einer Grenze und will dann mit Erfahrung geführt werden, z.B. auch in der Windschleppe -zig Meter hinter einem Lkw. Was auch immer sich aus den Kreiselkräften der Räder und der Elastizität des Rahmens aufbauen will, sollte man im frühesten Stadium fühlen und abblocken können.

    Die frühen Goldwing (karosserielos) waren dafür verpönt, bei hohen Geschwindigkeiten plötzlich Tänzchen aufzuführen, die ein paar Dutzend Fahrer rapide in eine schönere Welt beförderten.

    Ein paar Jahre habe ich Ausflüge mit einer Freundin gemacht, die einen 125er Hyundai Chopper fuhr (inzwischen hat sie eine F650 und ich einen 125er ;) ). Immer der Ärger, weil sie nie über 80 fuhr. Das so lange, bis ich mir den Hyundai mal ausborgte und selber erlebte, was das für eine Wackelpartie wurde.

    Mit meiner jetzigen 125er bin ich übrigens nur 1x Autobahn gefahren. 100km/h bei 10.000 Touren waren mir zu sehr an der Leistungsgrenze, und bergauf fährt die Roadwin hier nur noch 70, es sei denn, man überdreht sie im vorletzten Gang. Autobahn kommt für mich dann nur für die Nutzung einer Rheinbrücke in Frage.

  • Ne 125er auf der BAB ist etwa so potent wie ne Ent. Also eine 2CV4 mit der ich auch keine LKWs überholen konnte.


    35 Jahre vergessen und aktuell 60J sind allerdings auch eine Nummer und das Lernen wird dadurch nicht leichter.

    Um da die Fähigkeiten voran zu bringen gehört neben intensiven Üben auch Kritikfähigkeit dazu um die vorhandenen Fahrfehler zu erkennen und dann abzustellen.


    Die Saison ist noch jung, da ist noch ein sinnvolle Sicherheitstraining möglich :topX:


    Also auf, machen und wieder fit werden :0018:

    Immer gut drauf bleiben!
    Gruß - Kolle
    Ohne Navi wär ich schon da :D______________ Adblock+ :topX:

  • Ich habe jetzt mehr als 250000 km Praxis auf Einspurigen. Und für mich persönlich gilt bei einem "Fahrzeugwechsel" eine 5000 km Lehrzeit. Das ist in meinen Augen notwendig damit ich das Bike wieder wie im Schlaf beherrsche. Und jedes Frühjahr 1000 km Lehrzeit für den Wiedereinstieg (so ca. ca. 2,5 Tankfüllungen) weil ich immer wieder bemerke das ich schon am dritten Tag so "temperamentvoll" unterwegs bin wie als 16jähriger Mopedfahrer. Ich will einfach überleben und nicht irgendwo "hängenbleiben" weil ich zu knapp dran bin.


    Zum Thema Fahrzeugbewegungen ist meine höchstpersönliche Meinung das der Fahrer durch Verkrampfung das Zweirad genau in die Schwingungen versetzt vor denen er sich dann fürchtet. Kein Biker traute sich die VMax ausfahren weil ihr ein schlechter Ruf vom Lenkerpendeln vorauseilte. Und auch das Hochgeschwindigkeitspendeln über das manche Tester klagen ist in meinen Augen eher ein Lenker als ein Fahrzeugproblem. Und da bin ich wieder bei meinen 5000 km Lehrzeit.


    Ein Fahrtechnikkurs ist sicherlich eine gute Alternative. Viel bringt es auch sich mit dem Fahrzeug im Langsamfahrbereich zu "spielen". 8er fahren, Kreisfahren mit einem 2. mit ca. 180 Grad visavis. Bei diesen Übungen kommt es darauf an dass die 8er Kreise gleiche große Durchmesser haben und beim Kreisfahren symmetrisch um den Mittelpunkt sind. Und zu guter Letzt der Trailstop ist eine äußerst selektive Gleichgewichtsübung. Abbremsen ohne das das Vorderrad eintaucht, 1 sek. Stillstand ohne einen Fuß runter zu stellen und relativ brutales Anfahren.


    Viel Spaß beim Lernen und viel Freude am Fahren.


    lg Franz

    Afrika Twin RD04, Pan European ST1100 SC26

  • .. vielen Dank Euch allen, ich bin über eure Anregungen sehr froh.

    Ich habe mir folgendes hinter die Ohren geschrieben:

    - Sicherheitstraining sobald es geht

    - nicht den Lenker verkrampft halten, sondern locker fahren

    - mit dem Fahren und dem Üben kommt mehr Sicherheit

    - die Trainingstipps von Franz hören sich klasse an - werde ich machen

    Ansonsten macht es mir (wieder) einen großen Spaß auf zwei Rädern zu fahren..

    Der Forza 300 soll ein verlässliches Gefährt sein, ich denke, mit dem mache ich nichts verkehrt..

    Beste Grüße

    Dieter

  • Dass Reifenluftdruck und Lenkkopflager in Ordnung sind, davon geh ich mal aus, ebenso sollte sich der Reifenverschleiß im Rahmen halten.
    Der Sixteen ist kein schlechter Roller, der sich sehr beherzt bewegen lässt. Er hat nur dasselbe Problem, das alle uprights haben. Man hängt da mit ausgestreckten Armen und dicken Klamotten am Lenker dran wie ein Spinnacker und bringt Unruhe uns Fahrwerk. Evtl ist noch noch ein Topcase montiert, das weit hinter dem Fahrer mit weiteren Verwirbelungen das Problem verschärft. Das Vorderrad wird entlastet und ist leicht ins Fattern zu bringen. Die lenkerfeste Cockpitverkleidung und ggf ein ebenfalls lenkerfestes Windschild sind weitere Unruhefaktoren, speziell in der Wirbelschleppe anderer Verkehrsteilnehmer.

    Was hilft? Erstmal das Topcase weg, dann ne andere, etwas aktivere Sitzposition: Leichte Vorlage und die Hände ganz locker auf den Lenker gelegt bringt Gewicht nach vorn und dämpft die Neigung zum Pendeln

    Der Forza ist eine ganz andere Hausnummer. Das ist ein elend langer Sofaroller mit kleineren, aber fetteren Rädern und, was ganz wichtig ist: Mit einer rahmenfesten Verkleidung.

    Ach ja: Schnell fahren kann jeder. Langsam ist die Kunst.

    Aber die Angst verschwindet nicht mit der Geschwindigkeit, da kann das Fahrzeug nichts dafür. Ich kauf mir auch keinen Porsche, weil ich im Golf Angst habe

  • Dieter, bleib entspannt...das ist das Wichtigste.


    Fahre deine Geschwindigkeit, gewöhne dich in Ruhe an den neuen Roller und du wirst merken, wie alles recht zügig geschmeidiger und vor allem automatisierter wird.


    Damit es dich wirklich vom Roller bzw. von der Fahrbahn weht braucht es schon wirklich hohe Windgeschwindigkeiten. Und ein wenig Pendelei in Windschleppen ist nicht schlimm, du hast ja eine ganze Fahrspur Platz.


    die lockere Handhaltung ist wirklich die halbe Miete. Ich hatte bei meiner ersten Deauville auch das Gefühl das Fahrwerk wäre nicht okay. Ich war nicht okay, habe beio jedem windbedingten Wackler den Lenker gepackt wie eine Trapezstange und selbst Unruhe in die Fuhre gebracht.


    Gib bei Wind mehr Last auf das Vorderrad ( hm, bei der Forza ein bisschen schwierig)und bleib trotzdem entspannt.


    Gerade bei starkem Wind sollten die Jackenärmel eng anliegen ( notfalls hilft ein Weckglas-Gummi um die Oberarme).


    PS: nach Monaten der täglichen Roller- Nutzung musste ich mich im Frühjahr auch erst wieder an meine NTV 650 gewöhnen. Das dauert einige Kilometer und ist völlig normal ( zumindest für mich :)) )

    Versuche zudem, mal aufmerksam auf deine Lenkimpulse zu achten: drücken und nicht ziehen !

    Lenken übernimmt die kurveninnere Hand mit Handballendruck, die andere liegt nur auf.

    Schon liegt der Roller stabiler, weil nicht zwei Impulsgeber konkurrieren.