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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Ligurische Grenzkammstraße mit 80 ccm? Ja, ABER



cp2675
05.10.2015, 19:28
Wenn der Sohne mit dem Vater auf Tour geht.

Vorbereitung:

Diverses Kartenmaterial besorgen. ADAC, Buchhandlungen? Fehlanzeige! Google bemüht und nach einigen Umständen eine Adresse gefunden die meine wünsche befriedigen konnte.
Kartenmaterial im französch-italienischen Grenzgebiet der Seealpen im Maßstab 1:50000

Motorräder:

KTM 600 LC4 EGS Baujahr 1989
Vergaser, Kraftstoffhähne, und Tank gereinigt, Neue Reifen spendiert, eine Woche vor dem Start habe ich dann festgestellt dass der Kettenschleifer an der Schwinge vorn kaputt war. Auch das noch. Aber auch das hat dank eines KTM-Spezialisten aus Österlich auch noch geklappt.

Honda MTX 80 R2 HD09:
Vergaser gereinigt, Tank gereinigt, Neue Reifen, Wasserpumpenantrieb neu gelagert.

Reifen:
Lange habe ich mir Gedanken über die Reifenwahl gemacht.
Es wurden an der KTM Heidenau K60 Scout hinten und vorn den Heidenau K60.
An der Honda sind es vorn und hinten der K 60 von Heidenau.

Soweit die grobe Skizierung der MOPPETS.

Kolle
05.10.2015, 19:33
denkt dran, die ist inzwischen Mautpflichtig und Anzahl mäßig begrenzt, es dürfen nur soundso viele gleichzeitig da rum kurven.

:0018:

cp2675
05.10.2015, 19:43
Montag, erster Tag am Ort des Geschehens. Eigentlich wollten wir uns nur ein wenig umsehen. Aber es kam anders. Den Routen der SD-Karte von MDMOT im Navi folgend sind wir ungewollt direkt in die Marguareis eingestiegen. So heißt die LGKS hier in Frankreich. Ein Zurück gibt es für einen Stollenreiter nicht nur nach vorn. Also so schlimm wird das ja wohl nicht werden. Aber wir mussten uns eines Besseren belehren lassen. Von La Brigue aus startend nach Notre-Dame des Fontaines gefahren. An der kleinen Kapelle vorbei sofort auf Schotter ließen uns die ersten Meter Mut schöpfen. Also ging es weiter. Über Serpentinen schraubten wir uns Meter für Meter höher. Mein Vater auf der Honda und ich auf der KTM.

Irgendwann hielt ich an um auf meinen Vater zu warten. Als er meine Position erreichte kam die Überraschung. Temperaturanzeige voll im roten Bereich. Am Anschlag.
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Also ein schattiges Plätzchen gesucht und im Leerlauf laufen lassen. Bis die Temperatur wieder im erträglichen Bereich war. Die nächste Passage war wieder ebener so dass Fahrt aufgenommen werden konnte um Fahrtwind zur Unterstützung der Kühlung zu generieren.
Klappte wunderbar. Direkt vor der Kreuzung mit der LGKS war die kleine Honda wieder am Temperaturlimit. Ein schattiges Plätzchen gefunden an dem auch noch frischer Wind ging und den Motorrädern und uns eine Pause gegönnt.
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Der weitere Weg führte nahezu eben bis Bergab weiter bis zu dem Abzweig der oft als Sahnestück bezeichnet wird. Der Aufstieg zum Pas du Tanarel. Laut der Beschreibung der Bücher von MDMOT “teils grob geschottert und Holperig“.
Ich sag mal so, die Katzenkopf großen Steine zählten noch zu den Kleinen und es waren teils Stufen zu überwinden die so hoch wie Treppenstufen waren. Und der Hammer? Da kamen und doch glatt zwei G-Modelle entgegen. Der eine Fahrer filmte freundlich winkend. Naja, schönen Gruß noch. Auch hier musste der Drehzahl und der niedrigen Geschwindigkeit der Honda geschuldet eine Pause eingelegt werden. Jeder der weiß wie divenhaft sich eine KTM verhalten kann wenn sie dann angetreten werden muss kann sich vorstellen das ich mich dann auf das ankicken immer wieder gefreut habe. Auf der Passhöhe angekommen trafen wir auf zwei Österreicher und zwei Bayern. Nette Unterhaltungen geführt aber auf den Vorschlag die Motorräder zu tauschen wollte keiner eingehen. Komisch. Woran das wohl liegen mag?
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Den restlichen Weg noch zu beschreiben ist müßig. Unterwegs haben wir noch ein Paar auf einer BMW R 1200 GS getroffen. Auch mit den Beiden konnten wir uns nett unterhalten als wir eine Pause einlegten um die Temperatur der Honda nach einem weiteren Anstieg wieder runter zu bekommen und um etwas Zeit zu schinden. Wir dürfen ja nur maximal 20 Km/H schnell unterwegs sein.

Am Fort Central endlich angekommen nach rund 90 KM Schotter im Gebirge mussten wir uns entscheiden. Weiter 46 KM in Angriff nehmen und über Schotter nach Tende hinunter fahren oder über Asphalt nach Limone.

Ich wählte den zweiten weg. In einer ganzen Woche bleibt noch Zeit für weitere Schottereinlagen.

Fazit LGKS:

Wer der Meinung ist, die Strecke ist nun dank der Reglementierung autobahnähnlich ausgebaut, der hat nicht mehr alle Tassen Im Schrank. Auch ich habe mich mal anhand der Videos auf Youtube zu der Aussage hinreißen lassen das wenn dort mit solch Eisenhaufen wie einer BMW R 1200 GS oder ähnlichem gefahren wird, werden wir mit unseren Motorrädern ja wohl keine großen Probleme haben. Aber die Ohrfeige schallt jetzt noch durch das Royatal. Vor den Motorradfahrern die mit so wuchtigen Geräten dort unterwegs sind habe ich nun großen Respekt

Würde ich es noch mal wagen? Ganz klar. JA! Aber mit zwei Motorrädern die gleichwertig sind und mehr Hubraum haben als die 80 ccm meiner Honda und eine komfortablere Sitzbank als die KTM haben. Und mein Vater müsste auch noch ein paar Jahre jünger sein. Obwohl dieser Oldtimer das am besten von uns vieren verkraftet hat.

Fazit Reifen:

Wie oben erwähnt habe ich mich für die Heidenau K60 entschieden. Ich konnte feststellen dass sie eine gute Wahl waren. Im Gelände boten sie ausreichend Gripp und auf der Straße fühlten sie sich auch wohl. Ich bin begeistert von dem Reifen.

cp2675
05.10.2015, 19:47
Das war der erste von sechs Tagen in Frankreich. Wenn weitere Tagesberichte erwünscht sind. Sagts nur. Habe da noch ein paar.:wink:

rebel450
05.10.2015, 20:15
coole sache, wer fährt was :D

Missy
05.10.2015, 20:16
Keep 'em coming, please. :wink:

Afrikaans
05.10.2015, 20:17
Das war der erste von sechs Tagen in Frankreich. Wenn weitere Tagesberichte erwünscht sind. Sagts nur. Habe da noch ein paar.:wink:

Nee, lass mal stecken! :nono:


















Was für eine Frage! Mehr, mehr, mehr! :D

cp2675
05.10.2015, 22:24
Dienstag, 2. Tag

Aufgrund der Erfahrungen vom Vortag haben wir uns entschieden den Tag etwas lockerer an zu gehen. Als Vorspeise so zu sagen aus den MDMOT-Buch den Soargestich gefahren. Knappe 10 Km mit hohem Schotteranteil. Sehr schön zu fahren. Aber auch hier kam die kleine Honda an ihr Temperaturlimit. Wenigstens bergauf. Ansonsten keine Probleme. Oder doch, eins war da. Aber Geduld. Die Tour ist zwei geteilt. An einer Gabelung kann man rechts und links fahren. Der rechte Weg ist der kürzere, bietet aber am Ende einen herrlichen Blick auf Sant Dalmas Dell Tende. Der linke geht wesentlich weiter in den Berg hinauf. Hier kam die kleine Honda dann an ihre Temperaturgrenze.

Also Pause eingelegt. Mitten im Wald, man hört nichts außer ein paar Kuhglocken und dem Rauschen des Waldes.
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Doch plötzlich wurde die Ruhe unterbrochen von bellenden Hunden. Als wir dann wieder losfuhren und um die nächste Ecke kamen sahen wir die Hunde. Das Problem. Drei große Hirtenhunde. Aber von denen nahm nur einer seine Aufgabe ernst und lief neben uns bellend her. Die anderen haben gleich erkannt das wir der Kuhherde die sie beschützten nichts anhaben wollten. Jedenfalls ging es noch ordentlich den Berg hoch an einer Hütte vorbei an der auch viele Bienenstöcke waren. Der Honig aus dem Tal schmeckt übrigens hervorragend.

Auf dem Rückweg hatten wir dann wieder das das Problem. Wieder lief der eine Hirtenhund neben der kleinen Honda her, diesmal wollte er ihr in den Kühlerschlauch beißen. Hatte aber keine Chance. Die Honda war schneller. Jetzt hatte ich den dämlichen Hund an den Hacken. Im wahrsten Sinne des Wortes. Er gab erst Ruhe als ich ihn mit Steinen beworfen habe. Für die Tierfreunde. Ich habe einfach mal den Vergaser der KTM mal kurzzeitig auf Durchzug gestellt. 

Auf dem Rückweg, schon wieder auf dem Asphaltteil der Strecke gab es einen weitern Abzweig zu einem Teil des Tals welcher mit Obstbäumen bewirtschaftet wird. An den Stellen wo die Apfelbäume direkt an der Straße stehen fallen auch schon mal welche auf die Straße und dort riecht es dann herrlich nach Apfel. Aber die Strecken sind alle Sackgassen. Mann muss also zwangsläufig wieder zurück.

Den Rest des Tages verbrachten wir auf Asphalt. Hier zeigte sich das wir mit dem gewählten Reifen ins Schwarze getroffen haben. Beide Enduros ließen sich um die Ecken zirkeln als wären sie dafür gemacht. Wir haben schon morgens beim Frühstück entschieden zum Col de Turini zu fahren. Also von La Brigue nach Sant Dalmas del Tende und dort links Richtung Ventimiglia. Kurz vor Breil-Sur-Roya geht es rechts ab nach Sospel viele Kurven. Nach rund 20 Km ereichten wir Sospel.
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Auf der Straße hat die kleine Honda weniger Probleme. Doch auch der folgende Anstieg über Moulinet zum Col de Turini hoch brachte sie zwar nicht mehr an die Grenze doch nahe heran. Auf der Passhöhe wo bei der Rally Monte Carlo die Boliden aus Richtung Lantosque kommend quer über den Platz driften um dann wieder den Weg nach Moulinet herunter zu fliegen haben wir dann eine Pause eingelegt und beratschlagt wie wir dann weiter fahren.
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Bei vorzüglichen Spaghetti Bolognese aus der Dose die mit Knoblauch verfeinert wurden haben wir das Kartenmaterial studiert. Viele würden sicher den Rallypfaden folgen und Richtung Lantosque über die D70 fahren. Sicher ein gute Wahl. Doch wir entschieden uns dazu über die D2566 knappe 10 Km Richtung Luceram zu fahren um dann links auf die D21 ab zu biegen. Beide Straßen führen nach Luceram. Die D21 ist sehr beeindruckend. Die 5 Km bestehen fast nur aus Spitzkehren einer Serpentine. Man kann förmlich das Gefühl bekommen dies sei die Mutter aller Serpentinen. Doch die D21 weißt nach ca. 5 km einen Abzweig auf die D54 Richtung Col de Braus auf. Eine sehr kleine Straße. Trift man hier auf ein Auto kommt das einem 6er im Lotto gleich. Am Col de Braus biegt man links wieder Richtung Sospel ab.

Der Rest ist einfach erklärt. Von der Folterbank der KTM spürte ich meinen Hintern schon nicht mehr und wollte nur noch zurück. Also Sospel, Breil-Sur-Roya und dann La Brigue.

Fazit Tag 2:

Auch Abseits der Schotterpisten kann hier Motorradfahren Spaß machen und wenn man es richtig plant und zudem auch noch Glück hat sind auch hier nur sehr wenige Berührungspunkte mit zweispurigen Fahrzeugen.

Afrikaans
06.10.2015, 15:37
Liebe Mitess, äh Mitleser, gebt doch spasseshalber mal Col de Torini bei GoogleMaps ein .....

Kolle
06.10.2015, 19:56
Col de Turini :w9: Unvergeßliches Erlebniss :topX: Gell heinzii :0018::0018:

@cp2675
schöner Bericht und klasse Tour :sup1: + :res:

Gute Fahrt und hier berichten :warte:

:D

heinzii
06.10.2015, 20:05
Oder auch hier:

Col de Turini (http://alpenrouten.de/Turini-Col-de-Route-des-Grandes-Alpes_point521.html)

und hier dazu

der Track (http://alpenrouten.de/Turini-Col-de_track95.html)

und Video (https://www.youtube.com/watch?v=nsaYutHBRg8)

rebel450
06.10.2015, 21:47
was hängt denn da unter der mtx?

Afrikaans
06.10.2015, 21:54
Dachte ich auch erst. Das ist aber HINTER der MTX.

Solche Fehler passieren auch guten Fotografen gelegentlich. :D

cp2675
06.10.2015, 22:12
Dat is ne Joppe. Auf Deutsch: Das ist eine Jacke.:!:

cp2675
06.10.2015, 22:16
Bild zum Turini nachgereicht.
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cp2675
06.10.2015, 22:22
Mittwoch, 3. Tag:

Das Wetter ist immer noch gut. Wir entscheiden uns wieder nur eine kleine Schotterpartie zu unternehmen. In dem Buch findet sich die Tenderunde. Rund 10 Km. Kleiner Teil Asphalt, dann Schotter. Laut MDMOT Schwierigkeitsgrad 3. Ich würde Sagen 3 – 4 da der Abzweig auf dem Rückweg teilweise sehr groben Schotter und sehr enge Kehren aufweist. Hier habe ich die zweite Bodenprobe genommen. Ok, ich musste mich nur etwas am Hang anlehnen. Also halb so wild. Die Jacke ist halt etwas Staubiger geworden. Ansonsten ein nettes Schmankerl mit tollem Ausblick auf Tende.
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Im Anschluss sind wir nach Dolceaqua gefahren. Der D6204 auf französischer Seite und hinterher der SR20 auf italienischer Seite folgend sind wir bis zum Ortsausgang Trucco gefahren. Da geht es links ab in eine Kleine Seitenstraße. Aber Achtung nicht abbiegen. Erst weiter fahren bis man Wenden kann. Da ist eine kaum noch sichtbare durchgezogene Linie auf der Straße. Nach dem Wenden also rechts auf die SP92 abgebogen. Da geht es auf einer kleinen schmalen Straße den Berg rauf das es nur so kracht. Ist man über den Sattel geht die SP92 in die SP70 und hinterher in die SP 68 über. Am Ende trifft man auf die SP64 die dann rechts nach Dolceaqua führt.
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Nach einer Stärkung ging es weiter nach Ventimiglia. Dort war ich auf der Suche nach einem Motorradhändler. Auf der LGKS habe ich, weil ich nach einer Überprüfung der Zündkerze, die Werkzeugtasche offen gelassen habe, eine Ersatzzündkerze verloren. Die galt es nun zu beschaffen. Aber es War Mittagspausenzeit und alle Händler hatten bis 15.00 Uhr Pause. Also sind wir zum Strand gefahren und haben in einem Cafe einen Espresso und und eine Cola getrunken.
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Jetzt begann das Leid mit der Zündkerze. Jeder Händler sagte KTM? No. Suzuki oder Yamaha oder Aprilia. Beim letzten Händler der eine Hondavertretung hatte ging ich die Sache anders an. Der sagte auch erst No. KTM? NO . In Sanremo. Ich habe aber die Zündkerze rausgedreht und auf den Tisch gelegt und siehe da. Opa machte große Augen das er doch eine Zündkerze hatte die in eine KTM passte. Nach dem Erfolgserlebnis machten wir uns auf den Weg zurück nach La Brigue.

Habe ich schon erwähnt dass die Sitzbank der KTM extrem hart und unkomfortabel ist. Jedenfalls schmerzte mir das verlängerte Rückrad der art das ich den komplette Rückweg im Stehen zurückgelegt habe.

Fazit Tag 3:

So bald man an die Küste kommt muss man auf den Straßen aufpassen wie sonst was. Da wird gefahren als gelten keine Regeln. Besonders die Rollerfahrer haben selbst die letzten Einschläge nicht gemerkt. Erst als ich an der Ampel stand und hinter mir so ein Rollerfahrer nicht weiter kam und ich dann mal kurz den Gasschieber im Leerlauf öffnete merkte er; Ups da liegt ja Dampf im Kessel an und hielt Abstand. Dennoch fühlte ich mich auf dem Motorrad auf den einsamen Nebenstraßen wesentlich wohler. Mit der Sitzbank muss ich mir nach der Saison mal was Überlegen. Die muss weicher werden. Ansonsten bin ich zufrieden. Die Honda läuft wie eine Eins und die KTM auch.

cp2675
06.10.2015, 22:25
Donnerstag, 4. Tag:

Der Himmel ist bedeckt mit dunklen Wolken. Ich bin bekennender Schönwetterfahrer. Also bleiben die Motorräder in der Garage. Wir nehmen das Auto und fahren zur Küste. Wenn wir schon in der Nähe sind will ich mir auch Monaco ansehen. Bis Ventimiglia und dann an der Küste entlang. Die Strecke an sich ist schön wäre nicht der Verkehr. Monaco ist momentan eine einzige Baustelle also sind wir nur kurz die Grand Prix Strecke abgefahren und sind dann wieder zurück bis nach Sanremo. Hier wollten wir in die Berge nach San Romolo. Den Weg haben wir auch gefunden nur das Restaurant welches wir angepeilt hatten war geschlossen. Aber der Weg war wohl eine Sonderprüfung der Rally Sanremo. Soviel Bremsspuren sind selbst in Italien nicht normal. Also wieder zurück nach Ventimiglia. Wir hatten Hunger bis unter die Arme. Aber auch hier haben wir kein Glück gehabt. Küche geschlossen.

Wenn ich Hunger habe werde ich nicht nur mürrisch, man könnte auch Alfred zu mir sagen. Dann bekomme ich schlechte Laune. Erst in Breil Sur Roya kam mir die Idee doch ein Baguette und etwas Kochschinken zu kaufen um den Hunger zu stillen. Meine Stimmung wurde besser und wir traten den Rückweg an. Mittlerweile regnete es in Strömen und wir waren erleichtert im Auto unterwegs zu sein.

Hier ein paar Impressionen vom Wegesrand.
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Afrikaans
07.10.2015, 11:03
:topX:

Mir gefällt, dass du dich auch zu deinen "Eigenheiten" bekennst.

ingobohn
07.10.2015, 13:29
Klasse Schreibe! :happy:
Danke.

cp2675
07.10.2015, 20:11
Freitag, 5. Tag:

Das Wetter klarte über Nacht auf, zwar nicht wolkenlos aber das war nur halb so schlimm. Wir sind durch den Tendetunel gefahren und von Norden auf den Tende gefahren. Auf italienischer Seite war der Himmel wolkenverhangen und es war bitter kalt. Das kam der kurzen entgegen. Auf Teer lief sie Bergauf auch recht zügig und durch die geringe Außentemperatur kletterte die Kühlmitteltemperatur auch nicht so hoch. Das Fort Central lag größten Teils im Nebel und die ersten Meter der „Les Meches“ Strecke fuhren wir auch im Nebel. Die SD-Karte der MDMOT Bücher sind Klasse. Zwar ist die GPS-Position sicht immer so exakt, das kann auch an der GPS-Abdeckung dort im Gebiet liegen, aber die Overlayrouten erleichtern das Navigieren doch ungemein.
Erst als wir aus dem Nebel raus waren und das nächste Fort erreicht haben machten wir eine kleine Fotopause.
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Weiter ging es. Als wir den Abstecher Richtung Casterino erreichten. Bogen wir erst ab. Doch nach ein paar Metern merkte ich, dass es doch recht steil bergab geht und die kleine Honda sich dann wieder quälen hätte quälen müssen. Also umgedreht und die Route ohne den Abstecher der sicher sehr attraktiv gewesen währe beendet. Der Blick am Ende der Strecke auf Tende ist beeindruckend.
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Nach Abschluss des Tages schauten wir uns dann die Kappele Notre-Dame des Fontains angeschaut.
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Von außen sehr unscheinbar aber innen sehr schön mit Bildern verziert. Ein Halt und ich glaube 2 oder 4 € Beitrag zur Erhaltung der Substanz lohnt sich alle mal. Selbst wer mit Kirche nichts anfangen kann sollte sich eine Pause gönnen sich im Garten der Kirche mal hinsetzen und die Seele baumeln lassen.

Fazit 5. Tag:

Die Entscheidung den Abstecher nicht zu fahren war genau richtig. So haben wir nicht nur die Schotterstrecke fahren können sondern uns auch das Kleinod mitten im Nirgendwo anschauen können und dort auch Seelenfutter bekommen.

cp2675
07.10.2015, 20:16
Samstag, 6. Tag:

Letzter Tag in Frankreich. Nach Casterino über die geteerte Straße wollten wir eigentlich schon am Tag zuvor. Doch da fielen zwei Tropfen Wasser vom Himmel. Also verschoben wir diese Fahrt auf den Nächsten Tag. Wieder einigermaßen bedeckte Himmel. Temperaturen im erträglichen Rahmen. Also ging es los. Erst ganz harmlos. Doch nach kurzer Strecke sollte es wieder nur stetig bergauf gehen. Doch die kleine Honda hatte diesmal erst am Ende des Tals eine Temperatur erreicht die zwar nahe am roten Bereich lag aber noch nicht im roten Bereich war. Hier ein Paar Impressionen des Tals.
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Auch hier waren wir auf den Spuren der gestrigen Tour. Jedoch nur auf ein paar Metern. Wir kehrten um und nach einem Mittagessen in Casterino sind wir in das Hotel zurückgefahren um unsere Abreise vorzubereiten.

Fazit der Woche:

Was das Motorradfahren angeht und deswegen waren wir ja hier konnte/n wir/ ICH uns/ MIR einen Traum erfüllen. Schotter fahren. Das es so kernig würde hätte ich nicht gedacht. Ich kann mich nur wiederholen, ich hatte eine ganz schön große Klappe als ich sagte mit unseren MOPPETS ist das ja gar kein Problem. Es war ein Problem. Aber ein lösbares. Wie man sieht. Und den Südteil der LGKS werden wir vielleicht auch noch fahren. Allerdings mit mindestens einem anderen MOPPET. Mit der kleinen Honda werde ich das nicht mehr angreifen.

Das Hotel La Brigue bzw. Auberge Sant Martin ist für Puristen genau das Richtige. Man kann dort schlafen, und das nicht schlecht, man kann dort Satt werden. Wer Komfort sucht ist dort falsch. Wer essen möchte wie Gott in Frankreich ist dort auch falsch. Als Vorspeise gab es grünen Salat mit Beilage, als Hauptspeise gab es Grünen Salat mit etwas mehr Beilage. Alles in verschiedenen Variationen. Das Zimmer hatte ein Bad mit WC und Dusche. Das Bad war aber nur so breit wie die Dusche und die war schmal, ca. 80 cm. Das Hotel hatte eher Jugendheimstandart. Aber der Chef bemühte sich, und man konnte erkennen dass zur Verbesserung der Standards etwas zum Besseren verändert wurde und wird. Im Vorfeld der Reise hatte ich regen Emailkontakt mit dem Chef und so ermöglichte er uns unser MOPPETS in einer Garage unterzubringen. Hat man auch nicht alle Tage das man seine Motorräder in der Garage abstellen kann wo eine zerlegte Malagutti und der Vorrat an Holzpellets fürs Hotell lagert.

Das Hotel hat sich auf durchreisende Bergwanderer spezialisiert. Motorradwanderer zählen auch zu den Gästen. Die reisen mit einem Rucksack oder Gepäcktaschen und nicht wie wir mit mehreren großen Reisetaschen. Die Art von Reisenden sind wahrscheinlich an die Askese gewohnt. Ich bin wahrlich ein bescheidener Mensch aber das war selbst mir etwas zuviel Askese.

Ich freute mich auf das nächste Hotel. Das würde am Gardasee liegen. Drei Nächte und zwei Tage an denen wir noch ein paar Spritztouren machen würden.

sommerwind
07.10.2015, 21:55
Schöner Bericht. Ich bin ein wenig mit gereist. :)-

Xonic
07.10.2015, 23:40
cooler Bericht , sehr ausführlich :popcorn::topX:

cp2675
08.10.2015, 19:21
Sonntag, 7. Tag:

Am Vortag haben wir schon die Taschen gepackt und ins Auto verladen. Wir hatten nur noch das nötigste auf dem Zimmer und mussten die Motorräder verladen. Doch es regnete in Strömen. Fast die ganze Fahrt zum Gardasee hat es geregnet und das nach max. 2 Stunden Schlaf in der Nacht. Irgendwie fand ich keine Ruhe. Mal weniger, mal mehr, aber meistens mehr. Erst ca. 100 km vor dem Ziel hat der Regen aufgehört. Auf der in den Gardasee ragenden Halbinsel San Vegilio haben wir dann eine Pause eingelegt um etwas frische Luft zu Tanken und die Beine mal wieder gerade zu bekommen.
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Dann ging es endgültig quälend langsam durch den Nachmittagsstau zum Hotel. Ausladen abladen parken und dann erstmal ein Bier. Das Abendessen gab es diesmal ohne Salat. Ein ordentliches Stück Fleisch, medium nicht blutig, das war Sex für die geschundenen Geschmacksknospen meiner Zunge. Und das an einem Tisch direkt an der Strandpromenade.
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Von der Fahrt und den drei großen Bieren völlig fertig ging es um 21.00 Uhr ins Bett und erst um 7.00 Uhr am nächsten Morgen wurde ich wach.

cp2675
11.10.2015, 09:36
Montag, 8. Tag

Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt haben sind wir zu unseren Motorrädern und haben uns auf den Weg gemacht. An der Uferstraße entlang ging es nach Riva. Dort haben wir uns etwas außerhalb gelegen den Parco Grotta Cascata Varone angesehen. Mitten in einer Höle ist dort ein Wasserfall und der Weg führt durch einen wunderschönen botanischen Garten begleitet von meist klassischer Musik. Die 20 Minuten sollte man sich gönnen und den Augen die Kost geben.
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Anschließend sind wir noch zum Tennosee gefahren doch die 5 Minuten Fußweg habe ich mir gespart. Ich war einfach zu faul zum Laufen. Dafür habe ich auf dem Rückweg dieses tolle Motiv mit Blick auf den Gardasee gefunden.
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Danach ging es auf direktem Weg zum Hotel Paradiso da ich unbedingt auf die so genannte Schauderterrasse wollte. Von dort geht es senkrecht ca. 400 Meter hinunter. Der Ausblick ist bei gutem Wetter irre.
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Nach einer super dünnen aber großen Pizza ging es durch die Barsaschlucht wieder zurück nach Riva und von dort wieder zurück ins Hotel Brenzone.
Den botanischen Garten mit der Grotte, die Fahrt Richtung Tennosee und die Terrasse des Hotels Paradiso mit anschließender Fahrt durch die Barsaschlucht war genauso wie ich es mir anhand der Videos vorgestellt habe. Bei schönem Wetter ein Traum. Leider wurden wir auf dem Rückweg in Riva von einem Regenschauer überrascht.

cp2675
11.10.2015, 09:41
Dienstag, 9. Tag

Der Ledrosee war heute das erste Ziel welches wir ansteuerten. Leider ist die alte auffahrt zum Ledrosee nur noch für Wanderer und Mountainbiker freigegeben so dass wir uns mit den Motorrädern durch den Tunnel quälen mussten. Tunnelfahrten empfinde ich auf dem Motorrad eher unangenehm. Der Ledrosee liegt etwas höher als der Gardasee was sich im Semptember durchaus bemerkbar macht. Ein deutlicher Temperaturunterschied ist da schon zu merken.
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Am anderen Ende des Sees angelangt haben wir an einer Übersichtskarte auf der unteranderem der Tremalzopass zu sehen ist angehalten. Wir überlegten nicht lang und sind hingefahren. Die Nordauffahrt ist ja geteert und frei befahrbar. Es ist schon beeindruckend wie viel Radfahrer dort hinauf fahren. Jedenfalls hat die kleine Honda wieder ordentlich ackern müssen und nur den kühlen Temperaturen war es zu danken das sie erst auf der Passhöhe das Temperaturlimit erreichte. Da war dann eh eine Fotopause angesagt.
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Auf dem Rückweg wieder am Ledrosee angelangt entschieden wir uns nun die andere Uferseite des Sees zu befahren. Mittlerweile war Mittagszeit und der Hunger wollte gestillt werden. Also kehrten wir in einer Pizzeria am Wegesrand ein. Der Hunger war gestillt und wir machten uns wieder auf den Weg Richtung Riva. Jetzt erst merkte ich wie steil die Fahrt durch den Tunnel ist. Durch Riva hindurch bzw. durch die Mehrzahl der Orte zu fahren ist grausam. Überall finden sich Kreisverkehre und das Gedränge und die selbstmörderische Fahrweise der einheimischen Motorradfahrer sind doch gewöhnungsbedürftig. Dazu reichen allerdings zwei Tage nicht aus. Jedenfalls war ich immer wieder Froh wenn wir wieder Meter machen konnten und der Verkehr einigermaßen geordnet verlief.

Im Hotel angekommen hieß es Taschen packen und die Motorräder wieder auf den Anhänger verladen. Denn am Mittwoch war Heimreisetag.

Afrikaans
11.10.2015, 10:49
Danke für den Bericht!

Da kommen bei mir alte Erinnerungen hoch.

In Riva hab ich vor Jahrzehnten die schlechteste Lasagne meines Lebens gegessen
und kam mir als Tourist auf der Durchreise abgezockt vor!

Daran anschließend dann eine 1000Kilometer Rückfahrt in die Heimat bei Regen
und mit einem Jethelm. Tolle Wurst, die ich mir damals selbst eingebrockt hatte.

Dein Bericht läßt in mir den Gedanken aufkommen,
Riva eine zweite Chance für einen besseren Eindruck einzuräumen. ;)